Harald Schmidt ist nicht nur lustlos geworden, auch das Publikum hat die Lust am alten Provokateur offenbar verloren. Er wirkt ausgebrannt. Dass er dem Ersten den Rücken zudreht, ist kein Verlust mehr. Er kehrt ins Kommerzprogramm zurück, in das sich seinetwegen einst sogar die Akademiker verirrten. Dort brillierte er, und das Feuilleton feierte ihn zu Recht als intellektuelles Juwel in einer Zeit grassierenden Flachsinns.
Aber jetzt? Eine Rückkehr als Vitaminspritze? Wenigstens bei Sat.1 beten sie, dass die alten Zeiten wieder aufleben mögen. Der absaufende Privatsender ist glücklich, dass er wenigstens gestern einmal einen Erfolg melden durfte. Selbst Quotengaranten wie Kerner müssen dort in einem Umfeld fünftklassiger Fernsehunterhaltung um jeden Zuschauer kämpfen, und der Lärm, den Oliver Pocher verbreitet, langweilt das krawallverwöhnte Publikum mittlerweile auch. Wäre ja eine hübsche Pointe, wenn Schmidt Pocher aus dem Programm kegeln würde.
In der Wochenzeitung DIE ZEIT lässt Harald Schmidt verlauten: "Die wussten nicht, wohin mit mir. Jetzt hinterlasse ich 26 Sendeplätze und ne Menge Kohle." Sein Etat reiche für 500 Ina-Müller-Sendungen, so protzt der Late-Night-Moderator, um den es in den letzten Jahren still geworden ist.
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