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Interaktives Fernsehen will Couchpotatos aktivieren

Interaktives Fernsehen wird sich nur über interessante Inhalte durchsetzen. Zu diesem Schluss kam eine Expertenrunde der Thüringer Landesmedienanstalt beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig. Dabei wirken herkömmliche Verhaltensmuster stärker als gedacht. Untersuchungen der letzten Jahre hätten gezeigt, dass es sehr schwierig ist, einen typischen Fernsehnutzer für interaktives Fernsehen zu begeistern. "Einen Couchpotato zu aktivieren klappt nicht so einfach", so Kreuzberger. Das Wichtigste sei, den Mehrwert von interaktivem Fernsehen deutlich zu machen, und daran habe es bisher gefehlt.

"Seit dreißig Jahren wird gesagt, Hybrid-TV kommt nächstes Jahr", sagte Prof. Dr. Dr. Karlheinz Brandenburg vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie. Dabei sei interaktives Fernsehen technisch längst machbar. Auch die Interaktivität begegne uns im Alltag vielerorts. So seien PC-Spiele ein Paradebeispiel für Interaktivität. Auch das Internet sei zum großen Teil interaktiv. Allein beim Fernsehen sei man noch nicht so weit. Dem stimmte Wolfgang Konrad, Gründer und Geschäftsführer der iTVone Gmbh, weitgehend zu, allerdings sei das Thema interaktives Fernsehen viel zu wenig thematisiert.

Konrad ist sich sicher, dass man mit Hybridfernsehen Menschen begeistern kann. Gerade hat er die Lizenz der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) zur Ausstrahlung eines interaktiven Fernsehprogramms erhalten. "iTVone" will in Kürze die Ausstrahlung eines umfangreichen interaktiven TV-Web-Programms via Satellit beginnen. Der Sender wolle neue innovative interaktive TV-Sendungen aus den Bereichen Spiele, Shows, Wissen und Lernen anbieten. Gegenwärtig läuft in Gera ein Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der TLM der TU Ilmenau und dem Fraunhofer-Institut. Dabei können sich nach Angaben der TLM 50 Familien per Fernbedienung an einem Schatzsuche-Spielbeteiligen.

Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt, sagte, dass das größte Problem bei dem Modellprojekt die Überwindung der Berührungsängste mit der neuen Technik gewesen sei. Dabei zeigten sich Kinder und Jugendliche bedeutend neugieriger und offener für das neue Projekt als ihre Eltern. Das sei aber kein generelles Problem, denn Untersuchungen hätten gezeigt, dass auch ältere Menschen mit neuen Technologien, wie z.B. dem Internet gut umgehen können. Sie benutzten diese neuen Techniken aber wesentlich gezielter als jüngere Menschen.

Wolfgang Schulz vom Hans-Bredow-Institut provozierte ein wenig mit der Behauptung: Interaktives Fernsehen gibt es nicht. Entweder schaue man fern, oder man interagiere. "Es gibt sozusagen nur entweder oder", so der Medienrechtler. Schulz erntete damit Protest nicht zuletzt von Wolfgang Konrad. Mit entsprechenden Inhalten könne man auch den passiven Zuschauer zum Mitmachen bewegen. Jochen Fasco erwiderte, dass es genügend Bereiche gebe, wo TV-Nutzer sicher gerne interagieren würden. So könnte man über bestimmte kommunale oder regionale Entscheidungen auch als TV-Zuschauer interaktiv Einfluss nehmen.

Quelle: Medientreffpunkt Mitteldeutschland



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